In den Regionen Gürbetal, Kiesental und Emmental
im Kanton Bern standen die Feuerwehren in der Nacht im Grosseinsatz,
wie die Kantonspolizei mitteilte. Zahlreiche Bäche traten über die
Ufer, viele Hänge kamen ins Rutschen. Die Polizei zählte rund 150
Anrufe wegen Wassereinbrüchen in Keller und Häuser. In Rüeggisberg,
Mühlethurnen, Kiesen, Brenzikofen, Walkringen und Langnau traten Bäche
über die Ufer. Bei Krattigen und Rüschegg lagen Bäume auf der Strasse.
In Oberscherli wurde eine Turnhalle überflutet.
Felssturz verschüttet Strasse bei Interlaken
Erdrutsche wurden aus Goldiwil bei Thun, Horrenbach-Buchen,
Habkern und Langnau gemeldet. Um 22.40 Uhr verschüttete zudem ein
Felssturz eingangs Interlaken die Hauptstrasse Spiez-Interlaken. Im
hinteren Weissenberg in Lenk im Simmental brach in einem Kalberstall
ein Brand aus, der laut Polizei vermutlich durch einen Blitzschlag
ausgelöst worden war. Tiere kamen nicht zu Schaden.
In Bern stieg die Aare am späten Abend
rasant an und überschritt mit 374 Kubikmetern Wasser pro Sekunde an der
Messstation Schönau die kritische Marke um neun Kubikmeter. Kurz nach
Mitternacht wurde ein Grossaufgebot der Feuerwehr sowie von Teilen des
Zivilschutzes und des Quartieramts ausgelöst. Die Menschen in den
aarenahen Quartieren wurden per SMS aufgefordert, ihre Liegenschaften
auf Eindringen von Grundwasser zu kontrollieren und gegebenenfalls zu
räumen.
Sandsacksperren in Bern
Balken-, Schlauch- und Sandsacksperren wurden an den kritischen Stellen
erreichtet. Dennoch wurden Teile des Uferwegs beim Altenberg in Bern
sowie Teile der Seftau in Bremgarten überflutet, wie die Berner
Berufsfeuerwehr mitteilte. Auch in der Region Luzern sowie im Entlebuch standen die
Feuerwehren im Grosseinsatz. Strassen in Schüpfheim, Malters, Kriens
und Emmen mussten wegen Überschwemmungen und umgestürzten Bäumen
vorübergehend gesperrt werden. Zahlreiche Keller wurden überflutet.
Brüniglinie erneut gesperrt
Im Bahnverkehr musste die Brüniglinie der Zentralbahn heute Morgen
wegen eines Erdrutsches zwischen Kaiserstuhl und Giswil erneut gesperrt
werden. Sie war nach dem letzten Unwetter vom Freitagabend erst seit
gestern Morgen um 10.45 Uhr geräumt und wieder freigegeben worden. Die
Zentralbahn setzte Ersatzbusse ein. Nach Auskunft von MeteoSchweiz fiel im Napfgebiet mit 55
Litern pro Quadratmeter am meisten Regen. In Interlaken wurden 46 Liter
gemessen und in Luzern 36 Liter. Die Folgen der neuerlichen
Starkniederschläge waren deshalb erheblich, weil die Böden bereits
massiv gesättigt sind, wie ein Meteorologe sagte.
Neuer Regenfront am Montagnachmittag
Nach einer Beruhigung wird für Montagnachmittag eine neue Niederschlagzone mit 20 bis 40 Litern Regen pro Quadratmeter erwartet.