Ein heftiges Unwetter – laut Polizei das schwerste seit Jahrzehnten - verursachte im Kanton Schwyz Überschwemmungen und Erdrutsche. Bei Einsiedeln wurde ein Haus weggespült; die Bewohner konnten sich retten. Eine Person wurde erheblich verletzt.
Auch wenn der Gesamtschaden erst bei Tageslicht
überblickbar sein werde, stehe schon jetzt fest, dass in den letzten
Jahrzehnten kein derart schweres Unwetter die Region heimgesucht habe,
teilte die Polizei in der Nacht mit.
Dramatische Szenen spielten sich gemäss Polizei in Unteriberg
und in Gross bei Einsiedeln ab. In Unteriberg versuchte ein Mann, bei
einer Brücke angeschwemmtes Holz zu entfernen. Dabei wurde er in den
hochgehenden Fluss gerissen und bei der Brücke eingeklemmt. Stark
unterkühlt und mit erheblichen Verletzungen wurde der Mann ins Spital
gebracht. In Gross bei Einsiedeln rissen die Fluten um 22 Uhr ein Haus
weg. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. In
Unteriberg war vorübergehend auch ein Alters- und Pflegeheim vom
Hochwasser bedroht; ein Teil der Bewohner musste in die oberen
Stockwerke gebracht werden.
Einsiedeln beim Sihlsee am stärksten betroffen
Die ersten Schadenmeldungen trafen um 20.30 Uhr ein. Später traten
an zahlreichen Stellen Bäche über die Ufer, und es kam zu Erdrutschen.
Die Polizei zählte bis um 1 Uhr mehr als 500 Schadensmeldungen. Am
stärksten betroffen waren Gross, Unteriberg, Oberiberg, Euthal,
Einsiedeln, Alpthal und Bennau. Die Feuerwehren standen die ganze Nacht
im Dauereinsatz. Der kantonale Führungsstab trat in Aktion.
Wasser vor Gebrauch abkochen
In mehreren Ortschaften wurden Tankanlagen unter Wasser gesetzt
und Öltanks weggeschwemmt. In Unteriberg wurde die Bevölkerung am
frühen Donnerstagmorgen aufgerufen, das verschmutzte Trinkwasser
abzukochen. In Teilen der Gemeinde Gross waren die Strom- und die
Wasserleitungen unterbrochen; eine Trinkwasserabgabe wurde organisiert.
In Gross, Studen und in Unteriberg beschlossen die Behörden, den
Schulunterricht am Donnerstag einzustellen. Die Eltern wurden
aufgefordert, die Kinder aus Sicherheitsgründen in den Häusern zu
beaufsichtigen.
Mehrere Verkehrswege sind durch Erdrutsche und Überschwemmungen
unterbrochen. Auch Brücken wurden weggerissen. Im Gebiet Gross wurden
die Strassen wegen Aufräumarbeiten für heute gesperrt. Schäden wurden
auch aus Ausserschwyzer Gemeinden gemeldet. In Buttikon schlug ein
Blitz in eine Lokomotive der SBB ein; es kam zu einem
Betriebsunterbruch.
Schwere Unwetter auch in der Region Bern
Am frühen Abend hatten sich bereits heftige Gewitter über dem
Kanton Bern entladen. Bei der Kantonspolizei gingen rund 50 Meldungen
ein. Betroffen waren vor allem die Regionen Hindelbank, Burgdorf,
Fraubrunnen und Oberburg. Das Wasser stand in Häusern und Kellern, aber
auch in Einstellhallen und Unterführungen.
Viermal Schlug der Blitz in eine
Liegenschaft ein, ohne dass es zu einem Brand kam. In Burgdorf fiel ein
Baum auf ein parkiertes Auto und in Oberburg einer auf ein Haus. Auch
hier blieb es nach Sachschaden. In den Regionen Oberland und Seeland -
Berner Jura gingen jeweils einige Einzelmeldungen ein. Last Update:
Jun 22, 2007 - jbg