Eine Studie von Meeresbiologen kommt zum Schluss: Wenn die Fischereiindustrie und die Verbraucher ihr Verhalten nicht ändern, sind die Weltmeere schon in rund vierzig Jahren leer gefischt.
Wenn die Artenvielfalt der Meere weiterhin so
stark dezimiert wird wie bisher, könnte die Fischerei bereits 2050
zusammenbrechen. Davor warnt eine Gruppe von Ökologen und
Wirtschaftsexperten im renommierten Magazin «Science». «Wenn wir unsere
Methoden zum Artenschutz nicht grundlegend verändern, wird dies das
letzte Jahrhundert mit wild gefangenem Fisch sein», erklärte ein Autor
der Stanford-Universität in Pacific Grove in Kalifornien.
Die Forscher nutzten Daten aus einer
Vielzahl von Experimenten, Messungen und Fischereiaufzeichnungen. Sie
zeigen, dass der seit dem Beginn der Industrialisierung bereits
vielfach belegte Rückgang der Artenvielfalt die Produktivität der Meere
deutlich verringert.
Sinkende Fischereierträge
In der Folge sinken die Fischereierträge: Eine Untersuchung im
Jahr 2003 habe ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt bereits knapp ein
Drittel der befischten Arten zusammengebrochen sei. Trotz massiver
Mehraufwände für die Fischerei gingen die Erträge seit 1994
kontinuierlich zurück.
Auch die Stabilität des Ökosystems Meer und seine Fähigkeit,
sich von Schädigungen zu erholen, verringere sich mit sinkender
Artenvielfalt. Krankheiten breiteten sich schneller aus, die
Lebensräume veränderten sich. Dadurch erhöhen sich auch die Risiken für
die Menschen in den Küstenregionen, berichten die Forscher.
Lichtblick
Allerdings gebe es trotz allem einen kleinen Lichtblick betonen
die Forscher. Noch sei dieser Prozess umkehrbar. In neu eingerichteten
Meeresschutzgebieten steige die Artenvielfalt rasch wieder.
Die Forscher betonen zugleich die gesellschaftliche Bedeutung
einer intakten marinen Artenvielfalt. Der Schutz des Ökosystems Meer
werde dadurch auch zu einem langfristigen ökonomischen Anliegen. Im
Moment sei weniger als ein Prozent des Meeres geschützt.