Der Klimawandel lässt die Alpengletscher immer rascher schmelzen. Dies geht aus einer Studie hervor, die heute im Vorfeld der Uno-Klimakonferenz in Nairobi von der Umweltorganisation Greenpeace vorgelegt wurde.
«Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg»,
erklärte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid vor Journalisten in
Berlin. Wie stark der kommende Klimawandel ausfalle, hänge von den
nächsten zehn Jahren ab, so der Umweltaktivist. «Deshalb müssen alle
Staaten ihr Äusserstes versuchen, um den Ausstoss der Klimagase endlich
unter Kontrolle zu bringen», forderte er mit Blick auf die
Klimakonferenz der Uno, die am Montag in Nairobi beginnen wird.
Fotovergleiche als Belege präsentiert
Nach Angaben von
Greenpeace verliert Grönland inzwischen 240 Kubikkilometer Eis pro Jahr
- dreimal soviel, wie in den Jahren vor 2003. Der Report der
Umweltschutz-Organisation enthält zudem Fotovergleiche der
Alpengletscher. Die Aufnahmen belegten, dass die Gletscher immer
schneller schmelzen.
Im August und September «können wir das
Schmelzen der Gletscher hören», berichtete Sylvia Hamberger von der
Gesellschaft für ökologische Forschung, von der die Aufnahmen für
Greenpeace stammen.
Gletschersterben diagnostiziert
Kleinere Gletscher, darunter
die drei deutschen an der Zugspitze und im Berchtesgadener Land,
«werden bis zur Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein», sagte Smid.
Aktuelle Versuche, die langsam fliessenden Eisströme durch Schutzfolien
zu retten, nannte der Experte «ein hilfloses Unterfangen».
Schwer wiegende Folgen möglich
Als Folge der Schmelze wird
es laut Greenpeace in den Alpenregionen einerseits zu Überschwemmungen
und andererseits zu Trinkwasserknappheit und Verkarstung kommen. Weil
sich die Dauerfrostgrenze immer weiter nach oben verschiebe, sei zudem
verstärkt mit Geröllabgängen und Erdrutschen zu rechnen.
Weltweit steuerten die Menschen auf eine Katastrophe zu, «wenn
wir in den nächsten zehn Jahren nicht eine drastische Umkehr
hinbekommen», warnte Smid. Steigende Meeresspiegel durch das
Abschmelzen der Polkappen könnten nach seiner Einschätzung bis zu 100
Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.