LONDON - Der britische Premierminister Tony Blair hat als Reaktion auf einen neue Studie zu den Folgen des Klimawandels rasche politische Massnahmen gefordert. Ansonsten drohe eine globale Klimakatastrophe, warnte Blair.
Die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Ausstoss von Treibhausgasen und dem Klimawandel seien "erdrückend", sagte Blair in London bei der Vorstellung eines Berichts des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Sir Nicholas Stern über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Erderwärmung.
Stern warnt in seinem Bericht, dass Nichthandeln grössere Kosten als die beiden Weltkriege verursachen und eine neue Weltwirtschaftskrise auslösen könnte. Durch den Klimawandel drohe der internationalen Wirtschaft ein folgenschwerer Rückgang um rund 20 Prozent.
"Wir haben noch die Zeit und wir haben das Wissen, zu reagieren", erklärte Stern. "Aber nur, wenn wir weltweit entschlossen und rasch handeln." Nach seinen Berechnungen würde eine rasche globale Offensive gegen die zunehmende Belastung der Erdatmosphäre rund 350 Milliarden Dollar (437 Mrd Franken) kosten.
Dadurch bestünde allerdings nicht nur die Chance, verheerende Folgen der Erderwärmung für weite Teile der Welt abzuwenden. Die Weltwirtschaft könne mit zielgerichteten Umweltinvestitionen bis 2050 sogar einen "Profit" von etwa 2,5 Billionen Dollar erwarten.
Laut den jüngsten Zahlen des UNO-Klimasekretariat haben die Industrieländer 2004 so viel klimaschädliche Abgase ausgestossen wie seit den 90er Jahren nicht mehr.
Der Ausstoss der Treibhausgase durch 41 Industrieländer sei 2004 ungeachtet der Ziele des Klimaschutzprotokolls von Kyoto auf 17,9 Milliarden Tonnen gestiegen. 2003 waren es 17,8 Milliarden Tonnen, 2000 noch 17,5 Milliarden Tonnen.
Unter den "Klimasündern" seien sowohl Unterzeichner des Kyoto-Protokolls als auch Länder wie die USA, die aus dem Kyoto-Prozess ausgestiegen und weltweit grösster Luftverschmutzer sind.
35 Erstunterzeichner hatten sich 1997 in der japanischen Stadt Kyoto verpflichtet, die Emissionen von Treibhausgasen bis 2012 um fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Mit der Unterzeichnung Russlands trat das Abkommen 2005 in Kraft.