Schon wieder ein Unwetter, schon wieder Überschwemmungen. Allein für diesen Sommer umfasst die Liste von mindestens lokal gravierenden Unwettern in der Schweiz schon über ein halbes Dutzend Ereignisse. Keine Freude an dieser Entwicklung haben auch die Versicherungen.
Laut einer Schätzung aus der Branche sind bei Unwetterschäden typischerweise etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Direktschäden durch Versicherer gedeckt. Dies betrifft in erster Linie Gebäude, Hausrat, Motorfahrzeuge, Betriebsunterbrüche und die Landwirtschaft. Die 19 kantonalen Gebäudeversicherer rechnen laut Angaben von gestern durch das neuste Unwetter mit Schäden von bis zu 60 Mio. Franken. Der Schweizerische Versicherungsverband will heute eine Schadenschätzung veröffentlichen.
«Sicher ist, dass es sich um ein grossflächiges Ereignis handelt», sagt Gaspare Nadig, Leiter Grossschadenmanagement der Mobiliar-Versicherung, der Marktführerin im Sachversicherungsgeschäft. Von der betroffenen Fläche haben die neusten Unwetter laut Nadig sogar die Hochwasser von 2005 erreicht oder gar überstiegen – während das Ausmass der Schäden «sicher nicht jenes von 2005 erreichen wird». Dennoch ist laut Nadig von einem «recht grossen» Schadensfall auszugehen. Die Privatversicherer gleichen untereinander Differenzen aus Schäden von Naturkatastrophen zum grossen Teil über einen Elementarschaden-Pool aus. Die Pool-Rechnung erfasst unter anderem Schäden von Hochwasser (im Schnitt 60% der Gesamtkosten), Sturm, Hagel und Lawinen.
Die letzten 40 Jahre brachten einen steigenden Schadenstrend. Während der letzten zwei Jahrzehnte lagen die Schäden in einem typischen Jahr bei 100 Mio. Fr., in früheren Jahrzehnten war es weit weniger. Jahre mit starken Ausreissern nach oben werden zudem häufiger. 1993, 1999 und 2000 überstiegen die vom Pool erfassten Elementarschäden 400 Mio. Fr., und 2005 sprengten sie gar die Milliardengrenze.
Der steigende Schadenstrend zwang die Branche in der Vergangenheit zu einer Erhöhung von Prämien und Selbstbehalten. 2007 wird für die Versicherer wieder überdurchschnittlich teuer werden. Das heisse noch nicht, dass nun schon bald wieder die Prämien steigen, sagt Nadig von der Mobiliar: Die Kalkulation des Elementarschaden-Pools sei langfristig ausgerichtet, und die Versicherer hielten Reserven für Jahre mit hohen Schäden.
Der langfristige Schadenstrend zeigt derweil auch weltweit nach oben. Die Zahl der Naturereignisse mit Grossschäden hat seit 1970 deutlich zugenommen. Der Trend steigender Schäden dürfte laut dem Rückversicherer Swiss Re mehrere Ursachen haben: Mehr Werte werden versichert, mehr versicherte Werte sind in besonders gefährdeten Gebieten exponiert und die Gefahren des Wetters sind am Steigen.