ThinkBank v2.0

Archive It...

 
  

Aug 06, 2007

Seuchengefahr in Indien

Nach dreiwöchigen schweren Monsunregenfällen hat sich die Situation in den Hochwassergebieten Indiens leicht entspannt. Nun droht aber eine Seuche. Indien will trotzdem keine internationale Hilfe.



Nachlassender Regen liess die Pegel der Flüsse heute sinken. Nun bereiten sich medizinische Notfallteams darauf vor, den drohenden Ausbruch von Durchfall- und Atemwegserkrankungen, Malaria sowie anderen Seuchen in den Katastrophengebieten zu verhindern. Noch immer sind aber Hunderttausende von jeder Unterstützung abgeschnitten. Vor allem in Bihar beklagten Betroffene den schleppenden Fortgang der staatlichen Hilfs- und Rettungsmassnahmen. Dennoch verzichtet Indien laut der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit auf internationale Hilfe.

«Indien liess die Vereinten Nationen wissen, dass die Situation unter Kontrolle sei», sagte der Sprecher der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) Jean-Philippe Jutzi. Die Regierung erklärte, es herrschten Verhältnisse wie sonst zu Monsunzeiten üblich. Nach Angaben von Meteorologen führten jedoch Abweichungen von den gewohnten Abläufen in diesem Jahr in bestimmten Regionen zu heftigerem Regen als üblich, während es in Mittelindien fast trocken blieb. Für die kommenden zwei Tage wurden wesentlich geringere Regenmengen vorhergesagt.
30 Millionen von Fluten betroffen
Alleine in den ostindischen Bundesstaaten Bihar und Assam sowie im nördlichen Uttar Pradesh sind nach offiziellen Angaben rund 30 Millionen Menschen von den Fluten betroffen. Viele davon mussten ihre Häuser verlassen. In jenen Regionen sind laut Uno-Kinderhilfswerk Unicef rund 10 Millionen Menschen durch stehendes Schlammwasser bedroht. 40 Prozent davon seien Kinder und Jugendliche.

Unicef hat zu schneller Hilfe für die Opfer in Südasien aufgerufen. Den betroffenen Menschen müsse dringend Zugang zu sauberem Trinkwasser, Essen und Unterkunft verschafft werden, sagte die Unicef-Sprecherin für Südasien, Katey Grusovin, heute in Delhi. Sonst drohe in den Flutgebieten der Ausbruch Seuchen.

Opferzahlen könnten noch steigen
François Binder, der Leiter des Deza-Büros in Indien, sagte gestern, zwischen Freitag und Sonntag hab sich die Lage wegen weiterer anhaltender Regenfälle noch verschlimmert. Allein in den beiden Bundesstaaten Bihar und Uttarpradesch im Norden des Landes seien nach Schätzungen der Uno durch die Überschwemmungen bis zu 20 Millionen Menschen obdachlos geworden. Laut Binder sind diese Gegenden mit bis zu 2000 Personen pro Quadratmeile extrem dicht besiedelt. Bi der Grösse dieser Gebiete sei es schwierig, die überflutete Fläche abzuschätzen, sagte Binder. Es bestehe die Gefahr, dass die Opferzahlen noch ansteigen könnten.

Die Zahl der Menschen, die allein in der vergangenen Woche wegen des Monsuns ums Leben kamen, stieg auf rund 350. Seit dem Beginn des Monsuns Mitte Juni starben in Indien sowie den Nachbarstaaten Bangladesch und Nepal nach jüngsten Uno-Angaben mehr als 1100 Menschen. Nach Angaben des indischen Innenministeriums kamen allein in Indien landesweit mindestens 1200 Menschen ums Leben. Genaue Zahlen lassen sich wegen der unübersichtlichen Lage noch nicht abschätzen.

Indien und Nepal: Gegenseitige Schuldzuweisung
Die Regierungen in Indien und Nepal machen sich gegenseitig für die Flutkatastrophe verantwortlich. Der Regierungschef des am schwersten betroffenen indischen Bundesstaats Bihar, Nitish Kumar, wirft dem Nachbarland vor, trotz mehrmaliger Aufforderungen seit Jahren nichts gegen die Überflutungen der Flüsse aus dem Himalaya zu unternehmen. Das nepalesische Aussenministerium vertritt dagegen die Auffassung, der Damm im indischen Laxmanpur trage Mitschuld am Ausmass der Überflutungen.
Tote bei Sturm in Vietnam
Bei einem schweren Sturm in Vietnam kamen nach amtlichen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben. 14 weitere werden noch vermisst. Unter ihnen ist eine fünfköpfige Familie, deren Haus von einem über die Ufer getretenen Fluss weggerissen wurde. In den vergangenen vier Tagen seien in der zentralen Provinz Daklak bis zu 62 Zentimeter Regen gefallen, sagte eine Behördensprecherin. Etwa 5000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen.


Last Update:   Aug 15, 2007 - jbg

Content Source:   tagesanzeiger.ch; (mow/ap/sda)



factBase entries: 1