«Indien liess
die Vereinten Nationen
wissen, dass die Situation unter Kontrolle sei», sagte der Sprecher der
Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) Jean-Philippe
Jutzi. Die Regierung erklärte, es herrschten Verhältnisse wie sonst zu
Monsunzeiten üblich. Nach Angaben von Meteorologen führten jedoch
Abweichungen von den gewohnten Abläufen in diesem Jahr in bestimmten
Regionen zu heftigerem Regen als üblich, während es in Mittelindien
fast trocken blieb. Für die kommenden zwei Tage wurden wesentlich
geringere Regenmengen vorhergesagt.
30 Millionen von Fluten betroffen
Alleine in den ostindischen Bundesstaaten Bihar und Assam sowie im
nördlichen Uttar Pradesh sind nach offiziellen Angaben rund 30
Millionen Menschen von den Fluten betroffen. Viele davon mussten ihre
Häuser verlassen. In jenen Regionen sind laut Uno-Kinderhilfswerk
Unicef rund 10 Millionen Menschen durch stehendes Schlammwasser
bedroht. 40 Prozent davon seien Kinder und Jugendliche.
Unicef hat zu schneller Hilfe für die Opfer in Südasien
aufgerufen. Den betroffenen Menschen müsse dringend Zugang zu sauberem
Trinkwasser, Essen und Unterkunft verschafft werden, sagte die
Unicef-Sprecherin für Südasien, Katey Grusovin, heute in Delhi. Sonst
drohe in den Flutgebieten der Ausbruch Seuchen.
Opferzahlen könnten noch steigen
François Binder, der
Leiter des Deza-Büros in Indien, sagte gestern, zwischen Freitag und
Sonntag hab sich die Lage wegen weiterer anhaltender Regenfälle noch
verschlimmert. Allein in den beiden Bundesstaaten Bihar und
Uttarpradesch im Norden des Landes seien nach Schätzungen der Uno durch
die Überschwemmungen bis zu 20 Millionen Menschen obdachlos geworden.
Laut Binder sind diese Gegenden mit bis zu 2000 Personen pro
Quadratmeile extrem dicht besiedelt. Bi der Grösse dieser Gebiete sei
es schwierig, die überflutete Fläche abzuschätzen, sagte Binder. Es
bestehe die Gefahr, dass die Opferzahlen noch ansteigen könnten.
Die Zahl der Menschen, die allein in der vergangenen
Woche
wegen des Monsuns ums Leben kamen, stieg auf rund 350. Seit dem Beginn
des Monsuns Mitte Juni starben in Indien sowie den Nachbarstaaten
Bangladesch und Nepal nach jüngsten Uno-Angaben mehr als 1100 Menschen.
Nach Angaben des indischen Innenministeriums kamen allein in Indien
landesweit mindestens 1200 Menschen ums Leben. Genaue Zahlen lassen
sich wegen der unübersichtlichen Lage noch nicht abschätzen.
Indien und Nepal: Gegenseitige Schuldzuweisung
Die Regierungen in Indien und Nepal machen sich gegenseitig für die
Flutkatastrophe verantwortlich. Der Regierungschef des am schwersten
betroffenen indischen Bundesstaats Bihar, Nitish Kumar, wirft dem
Nachbarland vor, trotz mehrmaliger Aufforderungen seit Jahren nichts
gegen die Überflutungen der Flüsse aus dem Himalaya zu unternehmen. Das
nepalesische Aussenministerium vertritt dagegen die Auffassung, der
Damm im indischen Laxmanpur trage Mitschuld am Ausmass der
Überflutungen.
Tote bei Sturm in Vietnam
Bei einem schweren Sturm in Vietnam
kamen nach amtlichen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben. 14
weitere werden noch vermisst. Unter ihnen ist eine fünfköpfige Familie,
deren Haus von einem über die Ufer getretenen Fluss weggerissen wurde.
In den vergangenen vier Tagen seien in der zentralen Provinz Daklak bis
zu 62 Zentimeter Regen gefallen, sagte eine Behördensprecherin. Etwa
5000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen.